Die Stützen der Gesellschaft

Bei meinem gestrigen Besuch der wiedereröffneten Neuen Nationalgalerie bekam ich nach langer Zeit wieder eines meiner All-Time-Lieblingsbilder zu sehen. Das von George Grosz, in Anspielung auf Ibsens Drama, im Jahr 1926 gemalte „Die Stützen der Gesellschaft“, das zornig mit beißendem Spott die damaligen politischen Verhältnisse zum Ausdruck brachte, half Grosz vermutlich nur diese schmerzvolle Realität zu verarbeiten. Wie die Geschichte später zeigte, konnte das Gemälde der breiten Masse nicht zur Warnung gereichen. Bild und Textafel im Untergeschoss der Neuen Nationalgalerie.

Wanderung von Torfhaus nach Elend

Nach einer dreijährigen Abstinenz ging es wieder einmal auf den Blocksberg. Bei diesigem Wetter erfolgte der Aufstieg von Torfhaus über den altbekannten Goetheweg und wird hier deshalb nicht weiter beschrieben, vielleicht nur so viel, man brauchte sich wegen der etwas ungastlichen Witterung den Weg nur mit erfreulich wenigen Wanderern teilen. Auf dem Brockenplateau angekommen, hatten sich allerdings trotzdem viele Touristen eingefunden, die vermutlich mit der Brockenbahn angekommen, oder über Wernigerode, Drei Annen Hohne, Schirke, oder Ilsenburg aufgestiegen waren. Während man sich bei der Einkehr im Touristensaal des Brockenhauses zur Stärkung am traditionellen Eintopf gütlich tat, klarte es sich draußen etwas auf, und so war schnell der Entschluß gefaßt die Wanderung nicht als Rundwanderung fortzuführen, sondern nach Schirke abzusteigen. Die nun bessere Sicht erwies sich allerdings als wenig erbaulich, da der Weg von dürregeschädigtem Silberwald und großflächigem Kahlschlaghängen gesäumt war. In Schirke eingetroffen, bot sich noch ein Abstecher zu den pittoresk wollsackverwitterten Schnarcherklippen an, die ich vor etlichen Jahren bereits einmal erklettert hatte. Von dort aus ging es dann nach Elend, wo diese Wanderung nach etwas mehr als 20 Kilometern endete. Das Erlebnis dieses schönen Wandertags, wurde dann leider auf dem Rückweg nach Hannover getrübt, da auf der 25 km langen Strecke zwischen Braunlage und Bad Harzburg fast der gesamte Bergwald durchgängig abgestorben ist. Dieser Anblick und die ungeheure Geschwindigkeit, mit der dieser doch noch vor zwei Jahren zwar geschädigte, aber doch noch scheinbar halbwegs intakte Wald verging, hinterließ bei mir einfach nur Bestürzung, Trauer und Sorge, so daß ich hier nur die beiden düsteren Fotos einstellen möchte. Diese katastrophalen Bilder erschüttern mich, und bewirken bei mir ein radikales Umdenken hinsichtlich der gebotenen Rigidität der mehr als dringend erforderlichen Maßnahmen zur Schadensbegrenzung und dem Aufhalten des Klimawandels, bevor der Arsch komplett und endgültig ab ist, denn eigentlich ist es doch schon zehn nach zwölf.

Die ehemalige „Mokke“

In der Mokka-Milch-Eisbar hat sie mich geseh’n,
In der Mokka-Milch-Eisbar, da ist es gescheh’n.
In der Mokka-Milch-Eisbar hat sie mich geseh’n,
In der Mokka-Milch-Eisbar, da ist es gescheh’n.

Als sie bei einem Honig-Flip saß
Und mich mit großen Augen maß,
Ihr Lächeln schwebt her,
Wenn die Neugier nicht wär‘.

In der Mokka-Milch-Eisbar hat sie mich geseh’n,
In der Mokka-Milch-Eisbar, da ist es gescheh’n.
In der Mokka-Milch-Eisbar hat sie mich geseh’n,
In der Mokka-Milch-Eisbar, da ist es gescheh’n.

Als ich bei einem Türkischen saß
Und irgendwie das Trinken vergaß,
Und ich streich‘ mir das Kinn
Und mein Lächeln schwebt hin.

In der Mokka-Milch-Eisbar hat sie mich geseh’n,
In die Mokka-Milch-Eisbar muss man mitternachts geh’n.

Ich zahl‘ – sie zahlt,
Ich geh‘ – sie geht,
Beide gehen wir
Bis zu ihrer Tür.

In der Mokka-Milch-Eisbar hat sie mich geseh’n,
In der Mokka-Milch-Eisbar, da ist es gescheh’n.
In der Mokka-Milch-Eisbar hat sie mich geseh’n,
In der Mokka-Milch-Eisbar, da ist es gescheh’n.

Mokka-Milch-Eisbar, Mokka-Milch-Eisbar,
Mokka-Milch-Eisbar, Mokka-Milch-Eisbar.

Text: Thomas Natschinski & Gruppe

Die Langenscheidtbrücke

„Als ich bergauf ging und aus dem Talnebel in die Sonne kam
Das Feuer am Rand der Viehweide
Die Kartoffeln in der Asche
Das Bootshaus weit draußen im See
Das Kreuz des Südens
Der Ferne Osten
Der hohe Norden
Der Wilde Westen
Der Große Bärensee
Die Insel Trista da Cunha
Das Delta des Mississippi
Stromboli
Die alten Häuser Charlottenburgs
Albert Camus
Das Morgenlicht
Das Augenpaar des Kindes
Das Schwimmen unterm Wasserfall
Die Flecken der ersten Tropfen des Regens
Die Sonne
Das Brot und der Wein
Der Hüpfschritt
Das Osterfest
Die Adern de Blätter
Das wehende Gras
Die Farben der Steine
Die Kiesel auf dem Grund des Bachbetts
Das weiße Tischtuch im freien
Der Traum von dem Haus im Haus
Der schlafende Nächste im Nebenraum
Die Ruhe de Sonntags
Der Horrizont
Der Lichtschein vom Zimmer im Garten
Das Nachtflugzeug
Das freihändige Radfahren
Die schöne Unbekannte
Mein Vater
Meine Mutter
Meine Frau
Mein Kind“

 

Aus der Brückenszene des Wim Wenders Films „Der Himmel über Berlin“  Text: Peter Handke

Das Ende der Freibadsaison

Ein schöner letzter Schwimmtag im Lister Bad soll zwar noch nicht mein diesjähriges Abschwimmen bedeuten, aber trotzdem möchte ich die Saison schon einmal kurz resümieren. Die Corona-Hygieneregelung hat in diesem Jahr nicht nur reibungslos geklappt, sondern bescherte auch freie Schwimmbahnen, ohne „Querschwimmer“ und Treibholz. Dadurch war das Schwimmen eigentlich genußvoller als jemals zuvor. Auch die Buchung der Zeitfenster lief reibungslos und unkompliziert. In den Sommerferien der Schulen hatten die Schüler freien Eintritt in die hannöverschen Bäder, und so mied ich für einige Wochen das Lister Bad und überließ die Schwimmbecken freiwillig den wirklich arg gebeutelten Kindern und Jugendlichen, was für mich aber vollkommen okay war. Die Schlußrunde, die gestern vor Beginn der Saure-Gurken-Zeit mit einem grandiosen letzten Öffnungstag gekrönt wurde, war dann noch einmal der Hammer, Genußschwimmen pur.Vielleicht geht es bis zum Herbstanfang noch für einige Runden zum Abschwimmen ins Meerwasser, aber ich will dennoch schon einmal den alten Doors-Song anstimmen – allerdings ohne jegliche melancholische Stimmung. Es war trotz aller Unwegsamkeiten ein wirklich schöner Sommer, und der nächste wird hoffentlich noch besser.

Summer’s almost gone
Summer’s almost gone
Almost gone
Yeah, it’s almost gone
Where will we be
When the summer’s gone?
Morning found us calmly unaware
Noon burn gold into our hair
At night, we swim the laughin‘ sea
When summer’s gone
Where will we be?
Where will we be?
Where will we be?
Morning found us calmly unaware
Noon burn gold into our hair
At night, we swim the laughin‘ sea
When summer’s gone
Where will we be?
Summer’s almost gone
Summer’s almost gone
We had some good times
But they’re gone
The winter’s comin‘ on
Summer’s almost gone

Vernissage „Wilde Zeiten“

Heute Abend war Ausstellungseröffnung in der GAF, und viele von denen, die in den 80ern durch die Gegend stolzierten, taumelten oder in ihr herumsprangen, kamen zu diesem „Klassentreffen“, um ED, seine Bilder und sein Buch, oder auch sich selbst zu feiern. Die meisten der alten Bekannten hatte man lange, einige seit Jahrzehnten, nicht gesehen, und es war schon spaßig, das heutige Erscheinungsbild mit den Porträts in dem vorgestellten Buch zu vergleichen. Die künstlerisch wie technisch hervorragenden Fotos sind aber nicht nur einzigartige Zeitdokumente, die die eigenen Erinnerungen perfekt abbilden, ergänzen oder auch revidieren. Sie machen darüber hinaus auch schmerzlich bewußt, wieviele der Abgebildeten, denen hat Burkhardt mit seinem großartigen Buch ein dauerndes Andenken geschaffen hat, bereits „vor ihrer Zeit“ gegangen sind. Ich freue mich unglaublich über das vorgelegte Werk, und möchte Burkhardt Ed Rump meine aufrichtige Anerkennung und meinen herzlichen Dank aussprechen.

Erster Eindruck, schön geworden

Nach achtjähriger Bauzeit und mehrfachen Verzögerungen fand am 20 Juli 2021 die feierliche Eröffnung des Humboldt-Forums statt, nachdem es am 16. Dezember 2020 wegen der Corona-Pandemie zunächst nur digital eröffnet wurde. Dieses neue Zentrum für Kultur, Kunst und Wissenschaft gilt mit den geschätzten Baukosten von 680 Millionen Euro derzeit international als eines der ambitioniertesten Kulturprojekte. In den ersten 100 Tagen haben Besucher die Möglichkeit das Humboldt-Forum kostenfrei kennenzulernen, müssen sich aber zur Zeit für einige Ausstellungen rechtzeitig ein Zeitfenster-Ticket reservieren. Für die Ausstellung „Videopanorama – Geschichte des Ortes“ und den Skulpturensaal benötigte ich keine Reservierung. Das Zeitfenster-Ticket für den Schloßkeller bekam ich an diesem Morgen problemlos an der Kasse in der Agora.
Alle drei Ausstellungen waren sehr sehenswert und informativ.

Die letzten Tage der Menschheit

Es fällt mir schwer, das in der Spandauer Belgienhalle Erlebte in Worte zu fassen. Paulus Mankers Inszenierung des Krausschen Dramas „Die letzten Tage der Menschheit“ sprengt den Rahmen all dessen, was ich jemals auf einer Bühne sah. Als Publikum, und somit gleichzeitig Akteur des Spektakels, brauchte man einen langen Atem, denn das siebeneinhalbstündige Stück, bei dem zwar „nur“ 75 der ursprünglich 220 Szenen, teilweise zeitgleich, aufgeführt wurden, war wirklich erschöpfend und überwältigend. In vielen Medien und dem Feuilleton wurde schon lang und ausführlich über diese großartige Produktion berichtet, und ich würde hier deshalb gerne nur einige meiner Impressionen des gestrigen Abends in Form von Fotos einstellen. Um wegen des Urheberrechts keinen auf die Birne zu bekommen, holte ich das Einverständnis dafür von Paulus Manker ein. Auch dafür noch einmal vielen Dank!