Blaubeerkuchen im Café Sibylle

Gegessen im Café Sibylle, Karl-Marx-Allee 72, 10243 Berlin

Eigentlich habe ich weder einen süßen Zahn noch bin ich der Sproß einer „Kuchenfamilie“. Ich wundere mich also selbst, weshalb ich gelegentlich Appetit auf süße Backwaren habe, und das dann meist auch noch in Berlin. Es muß wohl irgendwie mit der Umgebung zusammenhängen. Anscheinend triggert sowohl die Repräsentationsarchitektur des mondänen Sozialistischen Klassizismus als auch der kalten funktionalistischen Moderne mein kontrastierendes Bedürfnis nach warmer Heimeligkeit, die ich, mir bisher unbewußt, mit Gebäck verbinde. Dabei habe ich dann auch noch ein wirklich glückliches Händchen. Der Blaubeerkuchen war geschmacklich ein Eins plus, ohne Klimbim, einfach und lecker. Das Ambiente im Café Sibylle würde ich auch als „durchaus interessant“ beschreiben.

Heute vor 50 Jahren

Jim Morrison *8.12.1943 †3.7.1971

„…
No more money, no more fancy dress
This other Kingdom seems by far the best
until its other jaw reveals incest
& loose obedience to a vegetable law

I will not go
Prefer a Feast of Friends
To the Giant Family

Jim Morrison

Anwandern im Okertal

Letztes Wochenende machte ich mich nach einer gefühlten halben Ewigkeit auf zum diesjährigen Anwandern ins Okertal. Die Wanderung startete in Romkerhalle und führte zunächst entlang der Oker über die Verlobungsinsel zur Marienwand, die Erinnerungen an einstige Kletteraktivitäten wachwerden ließ. Dort war in diesen frühen Morgenstunden noch wenig Betrieb, nur „Das vergessene Wunder“ wurde begangen. Nach einiger Zeit des erinnernden Verweilens, stieg ich an der gegenüberliegenden Uferseite in Richtung Okertaler Klippenstieg auf, folgte dann allerdings keinem der Rundwanderwege. Stattdessen begab ich mich auf meinen persönlichen Memory Lane und steuerte weitere mir altbekannte Kletterfelsen an, unter anderem Studentenklippen und Ziegenrückenklippe. Selbst heute noch nach vielen Jahren sind mir die Routen vertraut, und ich erinnere mich genau an einzelne Griffe und lose Bohrhaken. Über den Treppenstein ging es dann weiter zur Kästeklippe, von wo aus ich mich, zwischenzeitig mit einer Brotzeit gestärkt, dann langsam über die Hexenküche, die skurrile Mausefalle und die Feigenbaumklippe wieder an den Abstieg Richtung Romkerhalle machte, wo diese angemessen kurze Wanderung dann wieder endete. Dort schaute ich noch eine Weile einigen Hartgesottenen zu, die sich mit ihren Wildwasserkajaks im kalten Okerwasser vergnügten, und freute mich über einen gelungenen Frühsommertag.

Leinewelle – der erste Spatenstich

Zu früh gefreut? Auf der heutigen Veranstaltung, mit Regionspräsident, Oberbürgermeister und Sponsorenvorständen, erfuhr ich zunächst, daß die nun rasch enstehende Leinewelle zukünftig den Namen des Hauptsponsors Enercity tragen wird. Es sollte noch dicker kommen. Im abendlichen Regionalfernsehen ließ sich Heiko Heybey, der Hauptinitiator und erste Vorsitzende der Leinewelle e.V., vernehmen, die Welle werde schon ab November nebst den 300 Vereinsmitgliedern (20 € Monatsbeitrag) auch noch zahlenden Gästen für einen Tagessatz von 25 € zur Verfügung stehen. Wie bitte? Ich habe mich doch hoffentlich nur verhört. Bisher wurde doch der Anschein erweckt, die immerhin spendenfinanzierte Leinewelle stünde zukünftig, genau wie die im Münchener Eisbachwelle, jedem kostentlos zur Verfügung. Was lange meine volle Unterstützung und Anerkennung fand, vollzieht nun also diese enttäuschende Wende, die nach meinem innersten Empfinden dem „Spirit of Surfing“ widerspricht und so mehr an „Attraktion à la Eurodisney“ erinnert. Hang Loose!

„Yarn Bombing“, drei Tage im Juni

Nach dreitägigem, medialen Dauerbombardement, mit Lichtwellen im Spektrum 380 nm bis 780 nm, waren die Zäpfchen meiner überreizten Retina glücklicherweise noch aufnahmebereit für das mit farbiger Wolle umgarnte Säulenportal der Staatsoper Hannover, die als offizieller Partner dieses Projekt des Deutschen Taubblindenwerks unterstützt. Mitte der 80er Jahre begleitete ich des Öfteren eine Blindengruppe zu Bundesligaspielen ins Niedersachsenstadion, wo wir gemeinsam jede Menge Spaß hatten. Damals erfuhr ich, wie wichtig solche kleinen Hilfen bei der Teilhabe sein können, um die Lebensqualität von Menschen mit derartigen Behinderungen maßgeblich zu verbessern. Dafür gilt es ein Bewußtsein zu schaffen. Dieses den „Regenbogentagen“ zeitgleiche „Yarn Bombing“ wollte taktil und farbenfroh auf die besondere Behinderung taubblinder Menschen aufmerksam machen und zum Dialog auffordern. Medial und in der Öffentlichkeit fand die Aktion, nach meinem Empfinden, leider nicht die nötige Beachtung.

„Back home“, Anschwimmen 2021!

Ein zwar recht spätes Anschwimmen, aber nach über zweijähriger Auszeit endlich wieder „rin ins Becken“. Die Rattenplage des Jahres 2019 hat sich, in Ermangelung von Essensresten, wohl inzwischen erledigt, und die momentan abflauende Corona-Pandemie gestattet dank strikt einzuhaltender Hygieneregeln ein relativ risikoarmes Schwimmvergnügen. Beim morgendlichen Turn von 8:00 bis 11:00 Uhr ist der Einlaß von gerade einmal 260 Besuchern gestattet, die sich auf der Anlage und auf die Schwimmbecken verteilt nicht weiter in die Quere kommen. Das ermöglicht ein wirklich angenehmes Schwimmen, ohne „Treibholz“ und „Klönschnackomas in Fünferlinie“, und ohne Slalom und Stopps wegen irgendwelcher Beckenrandspringer. Für die Masse an Gästen, die sich überwiegend nur sonnen oder abkühlen wollen natürlich nerviger Mist, für mich und mein Anliegen einfach nur perfekt. Des einen Freud ist des anderen Leid, das wurde von mir ebenfalls oft erprobt und durchlitten. Für einmal paßt alles und läßt mich bei 26° C Wassertemperatur frohlocken. „Lister Bad, wie habe ick Dir vermißt!“