Die Pest

Viele von uns verfügen in der momentanen Situation über ein ungewohntes Maß an Freizeit, die sich aufgrund der nötigen Kontaktvermeidung mit anderen Personen, hervorragend zur Lektüre eignet. Selbst das erneute Lesen, der alten Schinken aus dem Bücherregal, kann gerade jetzt bei der allgemeinen Gemütsverfassung zu sehr viel tieferen Einblicken und neuen Interpretationen führen, besonders wenn der Inhalt von gegenwärtiger Relevanz ist. Ich möchte in diesem Zusammenhang unbedingt Albert Camus „Die Pest“ empfehlen. Wir sollten, selbst während der Fokusierung auf die Krisenbewältigung, unseren Gedanken schon jetzt der Weichenstellung für die Zeit danach Platz einräumen, bei deren Ordnung dieses Buch eventuell hilfreich sein kann.

Hochzeiten im Hause

„Hochzeiten im Hause – Ein Mädchenroman“ von Bohumil Hrabal ist ein autobiografischer Roman des Autors, allerdings aus der Sicht seiner Frau. Die eigene Vita unter einer weibliche Betrachtungsweise und mittels eines femininen Sprachregisters zu erzählen, ist nicht nur eine schriftstellerische Herausforderung, sondern bedeutet auch für mich als Leser, zumindest eine sehr ungewohnte Lektüre. Im zweiten Teil des Romans mit dem Titel „Vita Nuova“ kommt es dann ganz dicke. Dort verzichtet Hrabal über 250 Seiten auf jegliche Interpunktion, schreibt also im wahrsten Sinne ohne Punkt und Komma. Dieser, Hrabals Spätwerk zuzuordnende Roman, ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich.

Ich habe den englischen König bedient

Sehr oft sitze ich in Prag im Zláteho Tygra, der Stammkneipe Hrabals, unter dessen Büste beim Pilsener. Nun war es an der Zeit, mich, leider nur auf deutsch, an sein literarisches Werk zu wagen, obwohl Hrabals Schriften, ob ihrer stilistischen Komplexität, der Substandardismen und des in der Pawlatschenkultur angesiedelten Slangs, als weitgehend unübersetzbar gelten. Sei es drum, ich machte mich trotzdem daran, und konnte nach den ersten 40 Seiten schon grundsätzlich sagen, daß mir Bohumil Hrabals Schreibstil genauso gut schmeckte, wie das Pilsener in seiner ehemaligen Stammkneipe. Die weitere genußvolle Lektüre dieses Romans eröffnete mir ein literarisches Meisterwerk.