Erdbeerzeit

Jetzt während der schönen Tage, mit Temperaturen in den hohen Zwanzigern, locken in der Region die Selbstpflückfelder mit ihren leckeren sonnengereiften Früchten. Für ungefähr die Hälfte des üblichen Handelspreises kann man sich zuverlässig die süßesten und aromatischten Erdbeeren in eigener Größensortierung auswählen, wobei natürlich nicht wenige dieser Köstlichkeiten den Weg zur Waage nicht finden, sondern direkt vor Ort im Mund verschwinden. Bei schönstem Sonnenschein an der frischen Luft gepflückt, ein Genuß, an Frische nicht zu überbieten – Erinnerungen an das Paradies.

Wellwurst mit Kraut und Kartoffelstampf

Zubereitet und gegessen in Hannover in meiner heimischen Küche.

Vor dem Beginn der vorweihnachtlichen Fastenzeit, auch wenn man wie ich persönlich damit aber auch rein gar nichts am Hut hat, wird hierzulande traditionell noch einmal richtig deftig geschmaust. Sei es die Martinsgans, eine Schlachteplatte, oder wie hier die Wellwürste, die in diese Jahreszeit selbst heutzutage immer noch erhältlich sind. Ich mußte zwar schon ein wenig suchen, und als ich fündig wurde, bedeutete das alleine noch lange keine Schmackhaftigkeitsgarantie, hier hatte ich allerdings Glück mit den Würsten nach einem guten alten Ahrberg Rezept. Den Großteil der Würste verarbeitete ich zu einem sehr leckeren Blunzengröstl, ließ aber doch zumindest einige Blutwürste für die klassische Variante tags darauf übrig. Die Würste wurden dann, wie eigentlich üblich, in heißem Wasser erwärmt und mit den typischen Beilagen, gebratenem Sauerkraut und Kartoffelstampf, genossen. Dazu gab es einen mittelscharfen Senf, der die feinen Aromen der Wurst nicht überdeckte und kühles Pilsner Urquell zum herunterspülen. Simpel, deftig und lecker! Allerdings reifte dann nach zwei Tagen des Wellwurstverzehrs, trotz des Wohlgeschmacks, die Erkenntnis, daß das 40tägige Adventsfasten bestimmt keine schlechte Idee ist. Gelobt sei mir das Fastenbier!

„Es geht um die Wurst“

Bis zur endgültigen Auszählung aller Briefwählerstimmen bleibt der Ausgang der „Presidential Elections“ weiterhin spannend. Sollte das vermeintliche Ergebnis dem bisherigen Amtsträger nicht konvenieren, könnte die ganze Posse auch noch etwas länger dauern, da für diesen Fall juristische Anfechtungen angekündigt sind. Ich habe meine Wahl jedenfalls getroffen und das Ergebnis steht endgültig fest! – Fortsetzung folgt

Komödie oder Tragödie

Dramatisch wird die heutige Präsidentschaftswahl in den USA auf jeden Fall. Während der abendlichen Wahlsendungen werde ich mir, atmosphärisch begleitend, einen Hot Dog reinziehen, bevor mir das Wahlergebnis eventuell endgültig den Appetit darauf verdirbt. Eine neue Sittlichkeit oder eine Katharsis ist, unabhängig vom Ausgang der Wahl, keinesfalls zu erwarten. – Fortsetzung folgt

„Nienburger“ an Johanni

Es ging mal wieder viel zu schnell. Heute am Johannistag wird traditionell der letzte Spargel gestochen, und damit ist auch für mich die Spargel-Saison 2020 beendet. Ein letztes Mal kam in diesem Jahr frischer Nienburger Spargel auf den Tisch, einfach zubereitet mit Pellmännern, Butter und Schinken, dazu ein kühles Budweiser Budvar. Bis zum Beginn der Saison 2021 belasse ich es dabei, mich gelegentlich an Spargel sattzusehen, wie zum Beispiel an Edouard Manets Still-Leben „La botte d’asperges“.

Beginn der Matjes Saison 2020

Anfang Juni ist der jährliche Beginn der Matjes-Saison, die sich mit der ausklingenden Spargelzeit überschneidet. Delikatessen verlangen manchmal Entscheidungen. Bevor es an die typisch norddeutschen Gerichte, wie Matjes mit Bohnen-Speck-Stippe oder Matjes in Sahnesoße geht, mußte ich auf jeden Fall schon einmal den „Diesjährigen“ kosten. „Emder Matjes“ von „Fokken und Müller“ mit einigen Zwiebelscheiben und Knäcke, und weil der Matjes ja schwimmen will, ein kühles „Radeberger“ und ein eiskalter Klarer, ein „de Meckelbörger“, der wirklich lange Jahre im Keller überlebt hat und bestimmt gar nicht mehr erhältlich ist. Mein Urteil: Paradies 2.0!

Terras Gauda 2018

Im Fühjahr ist in Deutschland Spargelzeit, und jede Region schwört mit gesundem Lokalpatriotismus auf die eigenen Feldfrüchte. Mir geht mit unserem Burgdorfer Spargel nicht anders, obgleich ich zu meiner Schande gestehen muß, daß eigentlich der Beelitzer Spargel aus Brandenburg mit seinen nussigen Aromen mein Favorit ist. Ohne große Fissematenten zubereitet, ein paar Kartoffeln, gute Butter und einen rohen Schinken oder ein Schnitzel dazu, machen das Herz froh. Kompliziert wird es dann bei der Frage des passenden Getränkes. Beim Wein setze ich auf einen deutschen Riesling, obwohl ich kein ausgesprochener Weißweinfreund bin. Dieses Mal wollte ich aber den Terras Gauda aus dem Rias Baixas probieren, einen Weißen aus Galicien. Die Cuvée aus 70 % Albariño, 22 % Caíño Blanco, 8 % Loureiro, alles autochtone Reben, gibt dem Terras Gauda eine vollmundige Geschmeidigkeit, begleitet von Frische und lebendiger Säure, wirklich lecker! Für mich, bei meinem Lieblingsspanier zukünftig der Wein der Wahl …bei Fisch und Meeresfrüchten! Bei Spargelgerichten bleibe ich allerdings weiterhin beim Riesling, oder auch bei einem gut gezapften kühlen Blonden.

Klobása z přeštíka

Gegessen in der „Kantýna“, Politických vězňů 5, 110 00 Prag 1, Tschechien.

Die Kantýna in der Nové Město entspricht eigentlich dem traditionell tschechischen Konzept „Jídelna a Řeznictví“, nur in Edel. An der Fleischtheke am Eingang ist eine Vielzahl der unterschiedlichsten Cuts erhältlich, alles in Premium Qualität, zum Mitnehmen, oder auch zur Zubereitung nach Wunsch vor Ort. Betritt man die Restauration, das Gebäude diente früher einer Bank bzw. einer Freimaurerloge, erhält man eine Art Strichliste für die Bestellungen. Im Inneren hat man die Wahl zwischen Tischen oder einer Stehtheke, die sich wie das Buffet und die Getränketheke im Hauptraum befindet. Da es mich zeitlich etwas pressierte, wählte ich zwei frische Bratwürste vom „Přeštík“ Schwein, Kartofelpüree und gedünstetes Gemüse, wie üblich abgewogen (man bezahlt nach Gewicht), und mit einer Papierunterlage auf einem Tablett serviert, dazu ein gut gezapftes Pilsener. Die Qualität der Speisen war hevorragend, alles frisch und absolut perfekt zubereitet, ein wirklicher Genuß. Das Ambiente allerdings für meinen Geschmack leider zu stylisch und hip, aber noch erträglich. Nach dem Bezahlen an einer der beiden Kassen am Ein/Ausgang stand mein Entschluß fest. Beim nächsten mal komme ich mit mehr Zeit.

Usbekischer Plov

Gegessen im „Karavan Food“, Jugoslávských partyzánů 5, 180 00 Prag 6, Tschechien.

Abgesehen von wenigen Ausnahmefällen, widme ich mich bei Auslandsaufenthalten ausschließlich der jeweils einheimischen Küche. Als mich bei meinem Streifzug durch Prags Vororte ein Hungergefühl überkam, fiel mir dieses usbekische Restaurant ins Auge, das, zu dieser frühen Mittagszeit noch leer, eine rasche Bedienung versprach. Von der übersichlichen Karte wählte ich den Plov mit Rindfleisch, die usbekische Nationalspeise. Was sich mir da auf dem Teller präsentierte, sah relativ unspektakulär aus, war aber durch die Verwendung der orientalischen Gewürze äußerst schmackhaft. Auch die Konsistenz der verwendeten Zutaten, Rindfleisch, Reis, Karotten, Zwiebeln, und verschiedenen Bohnensorten ließ keine Wünsche offen, alles mit dem nötigen Biß perfekt gekocht. Obwohl im islamischen Usbekistan wohl eher Tee das Getränk der Wahl ist, gönnte ich mir einen offenen georgischen Saperawi, der den Pilav geschmacklich hervorragend ergänzte.

Tatarsky biftek

Gegessen im „U Zlatého Tygra“, Husova 228/17, 110 00 Praha 1, Tschechien.

Unter den Bierbegleitern ist für mich das „Tatarsky Biftek“ in Tschechien die Nummer eins, und besonders im „Tiger“ eigentlich immer meine Standardspeise. Die Zubereitung dieses leckeren Snacks beginne ich immer mit dem Zerreiben des Knoblauchs auf dem noch warmen Röstbrot, das, traditionell in Schweineschmalz angebraten, noch eine kleine Prise Salz verträgt. Das anschließende Durchmischen des Rinderhacks mit Eigelb, Zwiebeln, Senf und Gewürzen verläuft sorgfältig, aber meist sehr schnell. Allein schon das Ritual der Zubereitung am Tisch steigert die Vorfreude auf das erste, noch nicht ausgehärtete Topinky mit dem frischen, kühlen Aufstrich. Die perfekte Kombination von Konsistenz und Geschmack, ergänzt mit dem hier meisterhaft gezapften Pilsner ist für mich ein kulinarisches Erlebnis … immer wieder aufs Neue!