Mönchshof Klause

Niemand soll behaupten, ich hätte es nicht versucht. Das Verführungspotential der Kategorie „urig“ ist für mich, selbst im fortgeschrittenen Alter, noch immer „hoch bis sehr hoch“. Ich habe den Laden, mit dem verheißungsvollen Namen „Mönchshof Klause Spezial Ausschank“ in den letzten Jahrzehnten, in Erwartung eines besonderen Geschmackserlebnisses, auch wiederholt betreten. Meist stand ich dann in dem Laden, Anmutung 60er Jahre Küche mit Theke, alleine neben der vermutlichen? Wirtin nebst ihrem Hund, und wurde wortkarg auf irgendeine Weise abgewiesen. Bis heute weiß ich also nicht, ob da wirklich Zapfbier ausgeschenkt wurde, geschweige denn kenne ich die Öffnungszeiten dieses Schuppens. Meist war geschlossen, und dabei bleibt es jetzt endgültig. Trotz aller Persistenz kam ich also nie in den Genuß der hier vermeintlich gezapften fränkischen Brauspezialität, vielleicht aber auch besser …denn wie jeder weiß, Bier muß fließen! Wer auch immer da einmal bewirtet wurde: Bitte melden und berichten! Im April, beim Vorbeischlendern, bot sich mir dann das folgende Bild.

Rackebrandt endgültig dicht!

Zugegeben, ich war nicht sehr oft im Rackebrandt. Ab und an, wenn es mich nach einem gut gezapften Härke, oder einer traditionellen, regionalen Speisen gelüstete, besonders für saisonale Gerichte, wie den Grünkohl oder die Schlachteplatte im Winter, oder den Spargel im Frühjahr, kehrte ich hier gerne ein. Alles war hier sehr wohlschmeckend zubereitet, die Bratkartoffeln der absolute Hit. Zudem fand man hier noch das alte Linden vor, Lindener Buttjer, Kegelclubs, Philatelisten, Chöre und natürlich auch die Schützen. Alles war hier ein bißchen traditionell verkrustet, aber ich fühlte mich wohl, auch wenn ich nicht besonders gut ins Bild paßte. Leider hat das Rackebrandt die pandemiebedingte Schließung wirtschaftlich nicht überstanden, und es steht zu befürchten, daß noch sehr viele alteingesessene, oft inhabergeführte Gaststätten und Kneipen folgen werden. Das Verschwinden dieser „Institutionen“ läutet, gastronomisch und auch kommunikatorisch, endgültig die Zeitenwende ein, und ist gleichbedeutend mit dem Ende einer Lebensart.

Das Kaiser Center wird abgerissen

Nach über einem halben Jahr Leerstand begannen am Anfang dieser Woche nun die Vorbereitungen für den Abriß des alten Kaiser Centers. Somit werden nun die letzten Reste der alten Kaiser Brauerei beseitigt, die bereits Ende der 70er Jahre liquidiert wurde. Damals enstand unter Nachnutzung einiger Gebäude die Fitness- und Sportanlage „Kaiser Center“, die 1983 eröffnet und nach einem Besitzerwechsel im Jahr 2015 in Kaifi Sportslodge umbenannt wurde. In den Anfangsjahren nutze ich gerne die für die damalige Zeit sehr großzügig gestaltete Saunaanlage, während viele meiner Bekannten dort dem damaligen Trendsport Squash frönten. Nun soll auf dem Gelände ein neuer Bürokomplex entstehen, womit die alte Landmarke aus dem 19. Jahrhundert endgültig verschwindet.Das obige Foto ist ein Nachtrag vom 8.3.2021

Fischhalle Thürnau geschlossen

Bereits am 16. November 2020 schloß auf der Lister Meile ein weiterer Traditionsbetrieb die Tore. Mit der Fischhalle Thürnau verschwand ein alteingesessenes, inhabergeführtes Fachgeschäft von seinem angestammten Sitz. Hannovers ältestes Fischgeschäft war eine Landmarke, die auch seit jeher für Wegbeschreibungen „…und dann da schräg gegenüber von Thürnau“ verwendet wurde. Die Qualität der Ware und das Speiseangebot des Schnellrestaurants waren hervorragend, und das Fischbrötchen für zwischendurch ist nunmehr auch Geschichte. Geschuldet war die Geschäftsaufgabe anscheinend wieder einmal einer Mietpreiserhöhung, die ein auskömmliches Wirtschaften wohl nicht mehr möglich machte. Ein derber Verlust, nicht nur für Fischliebhaber. Tschüß ThürnauDas untere Foto vom Rückbau Geschäftslokals ist ein Nachtrag vom 3. Februar 2021.

Wurst-Basar Georgstraße geschlossen

Bei meinen sehr selten gewordenen Ausritten in die hannoversche Innenstadt, schätzte ich diese zentral gelegenen Futterstelle. Meldete sich der Magen, war es immer eine Option, sich auf die Schnelle einen halben Bratflieger, eine Curry mit Pommes, oder wenn etwas mehr Zeit vorhanden war, auch einmal einen WUBA-Burger im Untergeschoß des O‘ Curry reinzuschrauben, Alle diese kleinen Schmankerln waren zuverlässig lecker, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmte, und alles verlief schnell und unkompliziert. Nun hat, wie man sagt, die Corona-Krise leider auch Hannovers größter Wurst-Basar Filiale den Garaus gemacht, mutmaßlich hatte aber auch das Ausbleiben der nicht mehr so dem fleischverzehr zugeneigten Laufkundschaft einen größeren Einfluß auf die Schließung. Wie auch immer, es ist wirklich schade um den Laden, ich werde ihn sehr vermissen.

„Lost Views“

Seit vielen Jahren dokumentiere ich in Hannover und in anderen meiner Lieblingsstädte die städtebaulichen Veränderungen fotografisch, getragen auch von dem Wunsch, bei meinen persönlichen Erinnerungen den eigenen Zerrbildern nicht aufzusitzen. Eigentlich ist das in gewisser Hinsicht vergleichbar mit dem Tagebuchschreiben oder dem Erstellen einer Chronik. Ist erst einmal gentrifiziert, demontiert oder nachgenutzt, erinnert sich innerhalb kürzester Zeit fast niemand mehr an die vormaligen Gebäude und was ihnen funktional und gestalterisch zu Grunde lag, oder wie darin gelebt und gearbeitet wurde. Bis jetzt trug das Fotoarchiv, in dem ich diese Bilder weitgehend unveröffentlicht abspeicherte, die Bezeichnung  „Last Days“. Nun Anfang des Jahres 2021, das leider mit der durch die von der Corana-Pandemie beschleunigten Pleitewelle und den sich daraus ergebenen Veränderungen im Stadtbild beginnt, möchte ich meinem Blog also eine neue Kategorie hinzufügen. Angeregt durch den Homonymität des englischen Begriffs „View“ werden zukünftig unter der Kategorie „Lost Views“ neue „verlorene Ansichten“, entweder mit Kommentar, oder unkommentiert, zu finden sein. Gelegentlich werde ich neben aktuellen auch ältere Aufnahmen retrospektiv veröffentlichen. Ich wünsche euch allen beim Durchstöbern der Beiträge so viel Spaß, wie mir beim Erstellen.

Das Elli-Eck ist endgültig dicht

Mannomann, langsam scheint die jahresendzeitliche Schließung von Kultkneipen echt zur Regel zu werden. Zu meinem Gram gibt es davon leider sowieso nicht sehr viele, und inwieweit der Schließungsteufel im Corona-Jahr 2020 in meinen anderen Heimatstädten gewütet hat, ist für mich momentan noch nicht überschaubar. In Hannover hat es jetzt also das Eliseneck getroffen, und damit geht nicht nur ein Stück linderner Stadtteilkultur über die Wupper, sondern durch die Heimatvertreibung, besonders der Altszenies, auch eine tradierte Lebensweise, die sich anderswo nicht wieder ansiedeln läßt. Heute war nun Hardys Flohmarkt annonciert, auf dem Stammgäste Einrichtungsgegenstände erstehen konnten, um sich ein Stück Elli-Eck für die Ewigkeit zu sichern, nachdem der Laden, der Anfang nächsten Jahres besenrein übergeben werden muß, schon vor zwei Wochen zugesperrt hat. Ich habe vom Kauf nikotingetränkter Devotionalien Abstand genommen, und begnüge mich lieber mit meinen schönen Erinnerungen an diesen kuschelig quirligen Laden mit seinen verrückten Gästen. Bye bye Elli-Eck, war jut jewesen!Als Nachtrag noch das obige Foto vom Kehraus am 2. Januar 2021.

Erkan macht ernst!

Er hatte es vor langer Zeit angekündigt, und mit einem Mal ging alles ganz schnell. Wie Erkan mir heute erzählte, schließt er seinen Kiosk am Weißekreuzplatz am 31.12.2019. Nachdem er verständlicherweise seit geraumer Zeit die Schnauze gestrichen voll hatte, sei es ihm also vergönnt endlich das Generve um Trinker-Szene etc. hinter sich zu lassen. Mit der Schließung des Kiosks geht leider auch die letzte Anlaufstelle der alten 80er Jahre Hannover-Szene verlustig, denn der Kiosk war über Jahre der Treffpunk der „Szene-Überlebenden“ und der Exil-Hannoveraner auf Heimatbesuch. Anscheinend wird Ekki Reimann anschließend in den Räumlichkeiten einen kleinen Laden mit einem neuen Gastro-Konzept einrichten, man kann also gespannt sein. Auf jeden Fall freue ich mich, daß Erkan so lange durchgehalten hat, und wünsche ihm für seine Zukunft alles Gute.