Abschwimmen 2022

Im Lister Bad war am letzten Tag der Freibadsaison 2022 nur sehr wenig Betrieb. Ob das nun den durch die Energiesparbeschlüssen unsere Häuptlinge befürchteten niedrigen Wassertemperaturen geschuldet war, kann ich schwer einschätzen. Auf jeden Fall war bei 19° C Lufttemperatur das Beckenwasser auf 21,9° C temperiert, und es war ein wirklich sehr angenehmes Abschwimmen. Natürlich konnte mich als Norddeutschen das nach dem Schwimmgang nötige, nunmehr kalte Abduschen auch nicht schrecken. Im Bewußtsein, dieser für mindestens sieben Monate letzten Gelegenheit, amüsierte sich eine Gruppe in Neoprenanzügen gekleideter Kinder und Jugendlicher, trotz der im Becken der Sprunganlage doch etwas kälteren Wassertemperaturen, euphorisch mit Formationssprüngen. Ein mit Schäfchenwolken behangener Himmel erzeugte ein schönes Lichtspiel, und nirgends war das sonst übliche Kleinkindgeschrei, oder dumpfe Ghettoblaster-Bässe zu hören. Ein wirklich idyllisches Abschwimmen 2022.

Zurück am alten Platz

Ob politische Ikonoklasten, die das Ding am liebsten zerschroten oder verbannen würden, kotzen müssen, oder ob Investoren, angesichts der Profitmöglichkeiten in einer so exponierten Lage, feuchte Träume bekommen, ist völlig egal. Es spielt auch nicht die geringste Rolle, wie man politisch zu Marx und Engels steht, und ob man das Marx-Engels-Forum deshalb als Denkmal oder Mahnmal begreift. Das Forum ist schlichtweg ein Symbol deutscher Geschichte, und mußte, genau deswegen, zurück an seinen alten Platz!

Tschüß „Uns Uwe“

Auf der heutigen im Hamburger Volksparkstadion ausgerichteten Trauerfeier für den am 21. Juli im Alter von 85 Jahren verstorbenen Uwe Seeler, verdrückten sehr viele, der ihm vermutlich zu Lebzeiten völlig unbekannten Trauergäste, eine Träne. Uwe Seeler war mehr als nur der Fußballstar oder der Kapitän und Ehrenspielführer der Deutschen Fußballnationalmannschaft, er war einfach „Uns Uwe“, ein Idol und ein bescheidener und bodenständiger Mensch, den seine Mitmenschen ins Herz geschlossen hatten. Sein Ruhm als gefeierter Fußballer des HSV und der Nationalmannschaft, war in seiner aktiven Zeit, zumal in Deutschland, vielleicht nur vergleichbar mit dem Elvis Presleys, dem der Beatles oder Cassius Clays, änderte aber nichts an seiner nahbaren und freundlichen Art. Gerne erinnere ich mich an unsere Korrespondenz vor ungefähr 50 Jahren, die im übrigen privat bleibt. Er, der gefeierte Weltstar, antwortete mir, dem fußballverrückten Pubertierenden, persönlich auf einen Brief, uneingebildet und auf seine herzliche Art, und katapultierte sich damit als Mensch auch in mein Herz. Und so möchte ich mich nun heute, wie viele andere Menschen, auf diesem Wege vom unvergeßlichen Uwe Seeler verabschieden, mit einem einfachen „Tschüß Uns Uwe“

Die letzten Tage der Menschheit 2.0

Die Kraussche Tragödie ist leider brandaktuell, und es ist erschreckend, wie sehr die Protagonisten im Ersten Weltkieg den heutigen ähneln. Ich nahm auch in diesem Jahr wieder die Gelegenheit wahr, Paulus Mankers faszinierende Inszenierung in der Belgienhalle in Berlin zu sehen, oder besser gesagt an ihr teilzunehmen. Das bot mir die Chance, nebst neuer, auch die Szenen zu sehen, die ich im letzten Jahr, aufgrund der Parallelität der Aufführungen, verpaßte. Das 220 Szenen umfassende Bühnenstück bietet zudem auch weiterhin die Möglichkeit der erneuten Auswahl und Kombination der unglaublichen Anzahl von 75 gezeigten Aufzügen. Einfach nur fantastisch, und bei nächster Gelegenheit, vielleicht auch an einem anderen Spielort, bin ich wieder dabei.