Sehnsuchtsorte

Der Watzmann am Pfingstmontag, noch mit einer Schneekuppe bedeckt, lockte auf eine schöne Hüttentour. Allerdings eröffnen fast alle Hütten die diesjährigen Saison erst ab Anfang Juni. Zudem haben die Bergfexe natürlich bereits jetzt sämtliche Schlafplätze reserviert, und selbst für die Monate Juli und August bleibt nur noch die Hoffnung auf Stornierungen. So lebte ich an diesem Pfingstwochenende meine Wander- und Bergambitionen leider nur lokal aus, und das wohlgemerkt in NIEDERSACHSEN. Wenigstens benötigte ich für die Besteigung des Kronsbergs weder einen Schlafplatz noch eine Höhenanpassung.

Gelb und weiß

Nein, es geht hier nicht um die traditionelle Welfenspeise, die wir früher so gerne bei Große-Gorgemann wegputzten, sondern um die riesigen Teppiche gelber und weißer Buschwindröschen, die den Boden der Eilenriede in mir nicht erinnerlichem Ausmaß bedecken. Wieso die Natur sich in diesem Jahr so verausgabt, konnte ich bisher nicht ergünden, es ist einfach nur beeindruckend und wunderschön.

Zurück in der Ostslowakei


Der eigentliche Beweggrund für diese Reise war eine noch austehende Wanderung zur Trohanká, von der mein Vater mir in meiner Kindheit immer erzählt hatte. Das daraus viel mehr werden sollte war allerdings nicht absehbar. Des Weiteren war geplant durch den Osten der Slowakei zu reisen, und an den unterschiedlichen Stationen Quartier zu nehmen. Für die Wanderung zur Trohanká wollte ich in der Nähe des Ausgangspunkts eine Unterkunft suchen, da die Tage Anfang November für eine längere Anreise schon zu kurz sind. Meine Entscheidung fiel auf Gelnica, den Heimatort meines Vaters. Ich traute meinen Augen nicht, als ich im herausfand, daß im ehemaligen Haus meiner Großeltern Zimmer angeboten wurden. Nach Ende des zweiten Weltkriegs wurde meine Großmutter als Deutsche, auf Grundlage der Beneš-Dekrete, enteignet und vertrieben. Zu diesem Zeitpunkt war mein Großvater bereits verstorben. In dieses Haus zurückzukehren, in dem mein Vater und auch meine Onkel und Tanten geboren wurden und in dem ich mich sofort heimisch fühlte, war für mich ein so unbeschreibliches Erlebnis, daß ich kurzentschlossen meinen eigentlichen Plan über den Haufen warf, und für die gesamte Dauer meines Aufenthalts dort logierte. Mit einem Mietwagen steuerte ich von Göllnitz aus meine jeweiligen Tagesziele an, unter anderem die Spišský hrad, das Hnilec-Tal, das Volovské vrchy, Velk’a Lomnica, Turzovské kúpele und Košice. Bis auf die Wanderung zur Trohanká, rückten diese Ausflüge natürlich in den Hintergrund. Für einige Tage war die Pension auch mit anderen Gästen belegt, allerdings bewohnte ich das untere Geschoß, in dem sich das Wohnzimmer und auch die Küche zu meiner freien Verfügung befanden, über die gesamte Zeit alleine. Dieser Aufenthalt in dem Haus meiner Großeltern füllte in meinem Leben eine Lücke, und bildete den Abschluß eines mythischen Kapitels meiner Familiengeschichte.

Entspannung pur im Baskenland


War mein Aufenthalt hier im letzten November total verregnet, genoß ich in diesem Jahr einfach nur die Sonne und die Ruhe der Nachsaison. Kleine Tagesausflüge nach Hossegor, Saint-Jean-de-Luz, Urdax und San Sebastian ließen keine Langeweile aufkommen und der abschließende Trip entlang der spanischen Nordküste war das kulturelle Highlight.

Bodetalwanderung


Diese Wanderung hatte ich schon lange auf dem Zettel. Das Bodetal ist eine Klasse für sich, und diese ca. 16 Km kurze Wanderung ist wirklich lohnenswert. Vom Start in Treseburg ging es Richtung Thale bis zur Jungfernbrücke, wo sich eine gemütliche Einkehr befindet. Nach einer Stärkung überquerte ich hier die Bode und gelangte nach einem Anstieg über Serpentinen auf einen Waldweg, der anstrengungsfrei zurück nach Treseburg führt und auch einen Abstecher zum bekannten Hexentanzplatz ermöglicht. Die auf der gegenüberliegenden Talseite liegende Schurre, die ebenfalls in Serpentinen zur Rosstrappe hinaufführte, ist leider wegen eines Felsabgangs im Jahre 2010 dauerhaft gesperrt.

Rundtour durch die Alpen


Da leider der Kletterurlaub in den Pyrenäen in letzter Minute ins Wasser fiel, erstellten wir in aller Eile einen Plan B. Heraus kam eine Alpenrundtour mit dem Ziel, uns nicht bekannte Wander- und Klettergebiete zu erkunden. Die Campingausrüstung im Auto ging es zunächst in den bayrische Vorkarwendel, wo wir uns auf einen schönen Campingplatz einrichteten, die Gegend erkundeten und Tageswanderungen unternahmen. Kurz vor dem Wetterwechsel setzten wir uns Richtung Dolomiten ab. Über den Brenner, Bruneck und Cortina d’Ampezzo landeten wir schließlich in St.Ulrich im Grödner Tal, wo wir in einer netten Pension abstiegen. Hier wanderten wir im Langkofel- und Sellagebiet, erfreuten uns an einem Almabtrieb und einem unerwartet großen Kulturangebot. Nach einigen Tagen „vertrieb“ uns das Wetter Richtung Meran und Vinschgau, wo wir wiederum auf einem Campingplatz Quartier nahmen. Auch hier genossen wir leichte aber schöne Wanderungen, und die Köstlichkeiten der regionalen Küche. Nach einem kurzen Abstecher Richtung Ortler und hoch auf das Stilfserjoch, ging es zu unserem letzte Etappenziel, dem Wilden Kaiser im Salzburger Land, wo wir wie gehabt verfuhren. Reich an neuen Impressionen und vielen interessanten menschlichen und tierischen Begegnungen, machten wir uns auf den Heimweg. Aus der Not eine Tugend machend, nutzten wir diese kurze Rundtour, um das bisher unbekannte Terrain für weitere Aktivitäten zu sondieren, und werden bestimmt recht bald in diese Regionen zurückkehren.