Grünspan, Hamburg St Pauli

Mitte der 70er Jahre, die ersten Compañeros hatten irgendwie ihre Führerscheinprüfung bestanden, und woher auch immer, standen unserer Clique ruckzuck irgendwelche Fahrzeuge zur Verfügung. Diese neue Mobilität, gepaart mit unserem Erlebnishunger, ließ uns unsere Wochenendaktivitäten oft ins verheißungsvolle Hamburg verlegen. Meistens ging es in den Grünspan, ein zu einer Diskothek umgebautes altes Kino, in dem wir uns bei absolutem Brett-Sound regelmäßig die Nächte um die Ohren schlugen. Morgens schusselten wir dann oft noch auf den Fischmarkt, und ich weiß übrigens bis heute nicht, was wir dort wollten, denn in der Regel waren wir alle nicht nur komplett pleite, sondern auch komplett platt, und jeder wollte sich eigentlich nur noch ablegen. In besagtem Grünspan waren damals nicht nur Musik- und Lichtanlage State of Art, auch die Akustik der Räumlichkeiten mit satten neun Metern Deckenhöhe und eine irre Lightshow „schockten“. Dazu passend hatte der Laden auch noch diese abgefahren poppige Außenfassade. Der Eingangsbereich in der Großen Freiheit 52 und auch die ca. 70 m lange Außenmauer entlang der Simon-von-Utrecht-Straße wurden bereits im Jahre 1968 von Jürgen Klossowski nach Entwürfen der Pop-Art Künstler Dieter Glasmacher und Werner Nöfer kunstvoll gestaltet, damals eine absolute Sensation. Zu meiner großen Freude existiert dieses frühe Mural, zwar verwittert, teiweise abgeblättert und mit Graffiti getagged, heute immer noch, und weckt bei mir schöne und wertvolle Erinnerungen an mein „Coming of Age“ und das „Alles geht“- Lebensgefühl dieser irren 70er Jahre.